Wissenswertes

Münzsystem :
1 Reychsheller                                                              2 Cent
1 Uhudeut                       5 Reychsheller                  10 Cent
1 Reychsmark              10 Uhudeut                            1 Euro
1 Rosenobel                   3 Reychsmark                     3 Euro

Die schlaraffische Zeitrechnung :
Schlaraffia wurde am 10.10. im profanen Jahr 1859 gegründet. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine gesonderte schlaraffische Zeitrechnung. Ab dem profanen Jahr 1871 wird die erste schlaraffische Zeitrechnung eingeführt: profan 1871 = schlaraffisch 1571. Ab dem profanen Jahr 01.08.1898 wird die schlaraffische Zeitrechnung nochmals reformiert und die heute gültige Form festgelegt:
Demnach geht die Berechnung vom Gründungsjahr 1859 aus, welches die Stunde bzw. Jahrung Null darstellt. 1898 entsprach schlaraffisch damit der Jahrung 39.

Profan    schlaraffisch   (a.U.)
1859                  1859                   (0)
1860                  1860                   (1)
1861                   1861                   (2)
1871                   1571                    (12)
1872                  1572                    (13)
1873                  1573                    (14)
1898                                             (39)
1899                                             (40)
1900                                             (41)
2008                                            (149)
2009                                            (150)
2010                                             (151)
2014                                             (155)

Name:
Der Name Schlaraffia leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort “slur” ab und bedeutet soviel wie “Faulenzer”. Im Märchen wird das “Schlaraffenland” als Land bezeichnet, in dem jedem Faulenzer gebratene Tauben direkt in den Mund fliegen. Vermutlich spielte bei der Namensgebung auch der Umstand eine Rolle, dass bei den Zusammenkünften (“Sippungen”) der Schlaraffen statt materieller Genüsse in erster Linie geistige Genüsse im Mittelpunkt stehen, wodurch ein “Schlaraffenland des Geistes” entsteht. Wappenvogel der Schlaraffia und fröhlicher Wächter des schlaraffischen Geistes ist der Uhu, seit der Antike das Symbol der Weisheit. Als Erkennungszeichen tragen die Schlaraffen eine einfache Stecknadel mit weißer Perle am linken Revers.
Ziele: “Schlaraffia” ist eine Gemeinschaft von Männern, “die in gleichgesinntem Streben die Pflege der Kunst und des Humors unter gewissenhafter Beobachtung eines gebotenen Zerenioniales bezweckt, und deren Hauptgrundsatz die Hochhaltung der Freundschaft ist.” So beginnen die Statuten des Bundes. Um Freude zu haben und ihren Geist zu schärfen, treffen sich die Schlaraffen einmal in der Woche im Winterhalbjahr. Schlaraffen sind dem Charakter ihrer Verbindung nach weder eine Freimaurerloge noch ein Service-Club. Obwohl sie (scheinbar) Ritternamen führen, sind sie auch kein Ritterorden und gewiss kein esoterischer Mysterienbund. Schlaraffia ist ein Bund “sui generis”, in dem sich vielseitig interessierte Männer treffen, um im Rollenspiel einer liebenswerten Ritterzeit ihren Hobbys nachzugehen, zuzusehen, zuzuhören und so die Probleme des Alltags zu relativieren. Die Schlaraffia verfolgt keine altruistischen Ziele wie etwa die Serviceclubs, sie ist überhaupt nicht extrovertiert, sondern meidet es, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen.
Die Gründungsritter, auch “Urschlaraffen” genannt, hatten ein fröhliches Gemüt und eine unbändige Spielfreude. Sie gaben sich – nicht in einem Guss, sondern nach und nach – eine Satzung, also Spielregeln für ihren Verein, die sich um die drei Begriffe “Kunst”, “Humor” und “Freundschaft” drehten. Als verbindende Klammer erfanden sie ein heiteres Ritterspiel. Im Rahmen dieses “Schlaraffischen Spiels” kann jedes Mitglied (und auch jeder Gast) durch musikalische, dichterische, rezitatorische, erzählerische, wissenschaftliche und andere passende Beiträge die Anwesenden erfreuen, unterrichten und unterhalten. Es ist aber auch erlaubt, nur zuzuhören. Themen aus Parteipolitik, Religion, Geschäftsbelangen oder Zoten sind jedoch völlig unerwünscht. Zusammenfassend kann man sagen: Bei der Schlaraffia ist der Weg das Ziel.
Zielgruppe: Die Schlaraffen freuen sich natürlich über neue Mitglieder, aber sie werben nicht. […] Ursprünglich waren nur Künstler Mitglieder. Das hat sich inzwischen gründlich geändert: Heute bilden die Mitglieder der Schlaraffia einen Querschnitt durch alle bürgerlichen und künstlerischen Berufe. Hier findet sich der Professor neben dem Handwerksmeister, der professionelle Pianist neben dem Amateurgeiger, der Angestellte neben dem Unternehmer. Und alle harmonieren wunderbar miteinander und haben ihren Spaß. Die meisten wissen gar nicht, welchen profanen Beruf der andere hat.
Geschichte: 1859 entwickelte sich im damals österreichischen Prag aus einem Stamm-tisch überwiegend junger Künstler ein Verein völlig neuer Art, der sich als Gegenpol zur etablierten literarischen Gesellschaft “Arkadia” betrachtete und sich “Schlaraffia” nannte. Enttäuscht von der Restauration nach der gescheiterten Revolution von 1848 und verbittert über den Ämter- und Adelsdünkel persiflierten die Musensöhne die hohlen Formen der damaligen “feinen Gesellschaft”. Es war eine unangreifbare Revolte des Geistes (“Schlaraffenland des Geistes”) gegen erstarrte gesellschaftliche Konventionen und Zwänge. Die Sache muss den Gründern viel Spaß gemacht haben, denn schon bald wurde die Schlaraffenidee exportiert, und es bildeten sich Schlaraffenreyche in aller Welt.
Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, waren in Deutschland und später auch in Tschechin und Österreich die Tage der Schlaraffen gezählt. In Diktaturen haben die-Menschen nichts zu lachen und Diktatoren haben keinen Humor, also wurden wie so viele andere Vereinigungen auch die Schlaraffen gezwungen, sich selber aufzulösen. 1935 begann die “uhufinstere” Zeit, wie die Schlaraffen die Hitlerzeit nennen. Aber schon bald nach Kriegsende konnten sie wenigstens in “Trizonesien”, den drei westlichen Besatzungszonen wieder beginnen, die Zeit der Not mit ihrem Humor ein wenig zu lindern.
In den kommunistisch regierten Ländern Mittel- und Osteuropas wie auch in der sowjetisch besetzten Zone, der späteren DDR, jedoch dauerte die “Uhufinsternis” bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen. Heute suchen in 256 “Uhu-Reychen” auf dem ganzen Globus Schlaraffen wieder ihre Freude. […]
Brauchtum: Die verbindende Sprache der Schlaraffen ist Deutsch. In ihrer Umgangs-sprache jedoch ist einiges gewöhnungsbedürftig. So bezeichnet sich jeder Schlaraffen-verein (als ein selbstständiger Verein) als “Reych”, in das man am “Uhutag” “einreyttet”. Auch sonst gibt es im schlaraffischen Spiel Wortschöpfungen, die in keinem Lexikon zu finden sind. Jeder Schlaraffe kann jederzeit ein fremdes Reych besuchen, er wird dort als Freund empfangen und kann mitspielen, so als ob er sich in seinem eigenen Reych befände. Die Schlaraffia ist ein reiner Männerbund. Ehe- und sonstige Frauen der Mitglieder spielen außerhalb der Sippungen zwar eine große Rolle, ein Ritterspiel ist aber nach Ansicht der Schlaraffen eine reine Männerangelegenheit. Auch wird nach ihrer Ansicht der schlaraffische Freundschaftsbegriff der Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht gerecht.

Organisation: Dachverband für alle Schlaraffenreyche ist die “Allschlaraffia”, repräsentiert durch den “Allschlaraffenrat”. Darunter gibt es fünf Landesverbände: Schlaraffia Austria, Schlaraffia Deutschland, Schlaraffia Helvetica, Schlaraffia Lateinamerika und Schlaraffia Nordamerika. Allschlaraffia und Schlaraffia sind eingetragene und geschützte Wortmarken.

(Auszug aus dem Buch “Logen, Clubs und Bruderschaften” von Edwin A. Biedermann, Droste Verlag GmbH Düsseldorf 2004)